Kriminalität: Russland prüft Zulassung von in „unfreundlichen Ländern“ gestohlenen Autos

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Autos aus der EU oder anderen Ländern, die Putin nicht wohlgesonnen sind, könnten in Russland bald ohne Rückfragen zugelassen werden – auch, wenn sie gestohlen wurden.

Für professionelle Autodiebe ist es in der Regel ein Leichtes, Pkw zu knacken. Schwieriger ist es, diese dann tatsächlich gewinnbringend zu verkaufen – ohne gültige Papiere. Womöglich bietet sich Kriminellen aber bald ein neuer Absatzmarkt: Russland könnte künftig Autos auf die Straße lassen, die in europäischen Fahndungsdatenbanken als gestohlen geführt werden. 

Ein neuer Gesetzentwurf des russischen Innenministeriums, der Anfang 2026 auf dem offiziellen Portal für Gesetzgebungsverfahren veröffentlicht wurde, sieht genau das vor – zumindest für Fahrzeuge aus Ländern, die Russland offiziell als „unfreundlich“ betrachtet. Das parlamentarische Verfahren dazu läuft noch. 

Russland will gestohlene Autos zulassen

Ziel sei der Schutz „der legitimen Interessen russischer Bürger, die Fahrzeuge erworben haben, ohne von einer internationalen Fahndung zu wissen“, heißt es in der offiziellen Erläuterung des Entwurfs. Das Innenministerium führt in seinen Unterlagen an, dass Russland regelmäßig Anfragen an jene Staaten stellt, die einen Fahrzeugdiebstahl gemeldet haben. Antworten blieben allerdings häufig aus. Solange keine Antwort aus dem Ausland eintreffe, dürften Betroffene ihre Autos nach geltendem Recht nicht legal bewegen. Das halte man für unzumutbar.

Als konkretes Beispiel wird hier Deutschland angeführt: Demnach habe Russland bis zum 19. Januar 2026 auf Anfragen zu 123 international gesuchten Fahrzeugen aus der Bundesrepublik keine Rückmeldung erhalten. Ob hinter diesem Schweigen politische Gründe, bürokratische Hürden oder die unterbrochenen diplomatischen Kanäle stecken, bleibt offen. Klar ist jedoch, dass man diesen Umstand gezielt als Argument nutzt, um die neue Regelung zu rechtfertigen. 

Polizei und Behörden äußern harsche Kritik

Europäische Polizeibehörden reagieren alarmiert auf den Gesetzentwurf. Sollte er in Kraft treten, könnten gestohlene Fahrzeuge aus westlichen Ländern in Russland ohne weiteres zugelassen und genutzt werden – ein Anreiz, der nach Einschätzung von Ermittlern den organisierten Autodiebstahl befeuern dürfte. Banden würden so einen reizvollen Absatzmarkt erhalten. 

Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei kritisierte in der „Bild“-Zeitung: Die geplante Regelung sei „ein fatales Zeichen und ein weiterer Beleg, dass Rechtsstaatlichkeit in Moskau nicht so wirklich ernst genommen wird.“

Beschlossene Sache ist das Gesetz noch nicht. Er muss noch beide Kammern des russischen Parlaments durchlaufen und abschließend unterzeichnet werden. Erst dann würden die geänderten Zulassungsregeln tatsächlich gelten. Beobachter in Europa werden den weiteren Verlauf des Verfahrens aufmerksam verfolgen – vor allem jene Behörden, die täglich mit organisiertem Fahrzeugdiebstahl zu tun haben.

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