
Inhalt
Der gestrandete Buckelwal zieht „Helfer“ an wie ein Misthaufen die Fliegen. Unser Autor hat genug von der Shitshow und fordert Frieden für das Tier – und für sich selbst.

Wenn Pferde lahmen und zu sehr leiden, werden sie eingeschläfert. Zu groß ist der Aufwand, zu hoch die Kosten, zu gering die Aussicht, dass das Tier sich nicht wieder verletzt und das Leid von vorn beginnt.
Bei dem in der Ostsee gestrandeten Buckelwal scheinen solche Überlegungen egal zu sein. Seitdem er Ende März das erste Mal vor Niendorf auf einer Sandbank gestrandet ist, scheuen viele Menschen weder Kosten noch Mühen, um ihn zu retten. (Lesen Sie auch: Buckelwal Ostsee: Welche Chancen hat der Wal?:…)
Dahinter stehen bestimmt große Gefühle: tiefe Tierliebe, echtes Mitgefühl mit einem Wesen, das sich selbst nicht helfen kann, die Überzeugung, das moralisch Richtige zu tun.
Die „Rettung“ des Wals ist zur Daily Soap verkommen
Der gestrandete Wal zieht aber auch aufmerksamkeits- und geldgeile Selbstdarsteller an wie ein Misthaufen die Fliegen. Für diese Gruppe von „Helfern“ ist es perfekt, wenn der Wal möglichst lange liegenbleibt und leidet. Das bedeutet Aufmerksamkeit, Engagement auf Social Media, Geld.
Auch etablierte Medien reiten seit Wochen diese Welle mit. Reporter und Kamerateams werden tagelang zum Wal geschickt, berichten im Dauertakt, liefern minütliche Updates für Liveblogs, die letztlich alle dieselbe Botschaft plärren: „Der Wal leidet immer noch!“ Und ja: Auch der stern ist hier keine Ausnahme. (Lesen Sie auch: Wal-Newsblog: Spezialschiff für Transport „im Anmarsch“ –…)
Schließlich: Das Publikum interessiert nach wie vor jede Veränderung an der Wal-Front. Längst hat der Zustand von Timmy (oder Hope) den Urlaub, das Wetter oder die Fußballergebnisse beim Small Talk am Kopierer im Büro abgelöst.
Lasst den Wal in Ruhe (sterben)!
Sich diesem Wahnsinn zu entziehen, ist schwer möglich. Man kann nur beten: nicht für die sehr unwahrscheinliche Rettung des Wals, sondern für den baldigen und friedlichen Tod des Tieres.
Mediamarkt-Millionär Walter Gunz, der den aktuellen und hoffentlich letzten Rettungsversuch finanziert, kann gerne noch ein großes Zelt spendieren, unter dem der Wal vor den Blicken und Begehrlichkeiten der Schaulustigen geschützt wird – und dann ganz leise und in Ruhe sterben darf. (Lesen Sie auch: Wal-Newsblog: Wal kann frühestens Sonntag wegbewegt werden)

Ursprünglich berichtet von: Stern






Be the first to comment